Seelenspiegel
Nahezu unbezähmbar glühen die Äos vor Temperament. Keine Wette ist zu riskant, keine Leidenschaft zu heiß. Hungrig nach Ruhm wagen sie alles – und vergessen dabei mitunter, dass auch sie nicht unsterblich sind.
Weibliche Äos Männlicher Äos
Das vallische Volk
Sie kommen aus einem Land, in dem Regen als Drohung gilt und Wasser wie Gift gefürchtet wird. Äos umrunden Pfützen, verfluchen Sturmwolken und würden eher ewige Umwege marschieren, als ein Schiffsdeck zu betreten. In ihren Adern kocht schwarzes Blut wie Öl, das sie auflodern lässt, bis ihr eigener Körper zur brennenden Waffe wird. Ein entfachter Äos ist ein lebendiger Brand, der sich selbst heilen, aber auch in einem letzten Feuersturm zerbersten kann.

Ihre Augen und Haare glühen in ständigem Wandel: von tiefem Rot zu gleißendem Weiß, aufflammend mit jedem Herzschlag, wenn sie lügen, kämpfen und begehren. Kein Volk verrät seine Unruhe so offen wie sie.
Gesellschaftlich leben die Äos wie ein ewiger Vulkanausbruch: laut, streitlustig und schamlos. Recht wird mit Fäusten entschieden, Mutproben bestimmen das Ansehen, Ruhm ist der einzig verlässliche Glaube. Wer sich verwettet, kann alles verlieren, sogar sich selbst – und als Sklave enden, bis er seine Schuld in Leistung oder Währung abgetragen hat. Jeder Sieg und jede Narbe ist ein geschätzter Funken im großen Feuer ihrer Namen.

Liebe ist bei den Äos kein stilles Versprechen, sondern ein brennendes Geflecht aus Loyalität und Besitz. Ein Shaar sammelt Geliebte in seinem Djaham um sich und schuldet eben jenen, seinen Djaii, unerschütterliche, vielfach geteilte Leidenschaft. Treue, Eifersucht, Trennung: All das und mehr wird in Mutproben ausgefochten, in denen Liebe und Ehrgeiz sich bewahrheiten müssen oder andernfalls als gebrochene Versprechen verglühen. Selbst die Zungen der Äos sind Ausdruck ihrer kompromisslosen Kultur: gespalten als Trophäe ihrer ersten bestandenen Mutprobe.

Wenn ein Äos stirbt, ist es selten sein Ende. In seinem Herzen glimmt ein letzter Rest Hitze weiter. Versenkt man ein äossisches Herz im Blut der Welt, der Lava Bagrabaals, formt das Feuer einen neuen Leib. Der Äos kehrt zurück, mit alten Erinnerungen und neuem Namen, bereit, Ruhm zu jagen, Wetten einzugehen und sein Geschick noch einmal herauszufordern.

Die Äos sind kein Volk, an dem man achtlos vorübergeht. Sie sind ein einziges Lodern in einer - in ihren Augen - mitleidlosen Welt, Geborene des Feuers, die den Tod verspotten und sich nur vor einem in Acht nehmen müssen: vor dem Tag, an dem ihr letztes inneres Glühen erlischt. Wer ihnen begegnet, lernt rasch, dass es Völker gibt, die leben – und Völker, die brennen.
Länder - Äonnh & Baronnh
Äonnh und Baronnh